Rückblick

Liebe Kunstfreunde,

nach dem erfolgreichen Abschlussjahr meiner Galeriearbeit und der mit großer Resonanz aufgenommenen, das Jahr 2018 beschließenden Ausstellung mit den frühen Werken Achim Freyers, können Sie auch weiterhin den informativen Kontakt zu mir unter der neuen web-Adresse  kunstarchiv-pohl.de  aufrecht erhalten.

Für Beratung und Auskünfte zur Kunst nach 1945, insbesondere zur Kunstentwicklung im Osten Deutschlands und in Berlin stehe ich Ihnen auch künftig gerne zur Verfügung. Mein Archiv mit einer Vielzahl an Katalogen zur Kunst in der DDR, diverser Kunstliteratur, sowie einem umfangreichen Bestand originaler Kunstzeugnisse bietet hierfür den Hintergrund und Anlaß zum Gedankenaustausch.

Über gelegentliche thematische Gesprächsrunden in Remise und Hof des Hauses Wollankstraße 112a in 13187 Berlin-Pankow wird meine neue web-site Auskunft geben.

Schon jetzt kann ich Sie auf die Edition meines fünften Katalogbandes meiner Galerie aufmerksam machen. Er wird die letzten Ausstellungen dokumentieren und unter dem Titel “Nachtrag“ im Sommer diesen Jahres erscheinen. Zur Buchpräsentation im September möchte ich Sie schon jetzt einladen.

Ich freue mich auf Ihre Anfragen und die Weiterführung von bereichernden Gesprächen und Begegnungen: Die Kunstarbeit geht weiter!

Mit den besten Wünschen für Sie und freundlichen Grüßen

Joachim Pohl / März 2019

Die letzte Schau

Eine Pankower Kunstinstitution schloss Ende des Jahres: die Galerie Joachim Pohl in der Wollankstraße 112a. Der Galerist geht nach Jahrzehnten des Engagements in und für die Berliner Kunstszene in den Ruhestand.

Für seine finale Ausstellung hat sich der 71-Jährige einen ganz besonderen Künstler ausgewählt: Achim Freyer. Dieser machte sich vor allem als Theater- und Opernregisseur sowie Bühnenbildner einen Namen. Er war Meisterschüler von Bertolt Brecht am Berliner Ensemble und lebte zunächst in Ost-Berlin. 1972 siedelte er in den Westen über. In einer Gründerzeitvilla in Lichterfelde-West richtete er 2013 das „Kunsthaus Achim Freyer“ ein.

Freyer, Jahrgang 1934, begann seine künstlerische Arbeit aber nicht an der Bühne. Er ließ sich zunächst als Maler und Grafiker ausbilden. Als solcher machte er sich Ende der 50er- und in den 60er-Jahren in der Ost-Berliner Kunstszene einen Namen. Joachim Pohl, der seit Ende der 70er-Jahre die renommierte Galerie am Prater in Prenzlauer Berg leitete, stieß bei Recherchen auf Freyers frühe Arbeiten. „Ich erwarb von einem Cousin Freyers ein Bild. Über ihn wurde ich auf einen Dachboden aufmerksam, wo Bilder von Freyer lagern sollten“, erinnert sich Pohl. Auf dem Dachboden fand er dann tatsächlich einige Werke, die der Künstler bei seiner Übersiedlung in den Westen zurückgelassen hatte.

1989, noch vor dem Mauerfall, nahm er mit Freyer Kontakt auf, weil er eine Ausstellung zum Thema „Anstöße“ organisierte. In der zeigte er Bilder von Künstlern, deren Arbeiten Anfang der 60er-Jahre in der DDR als anstößig galten. Er fragte Freyer, ob der was dagegen hätte, wenn er einige der im Osten verbliebenen Bilder mit ausstellte. Freyer stimmte zu. Seitdem blieben der Künstler und der Galerist in Kontakt.

„Vor zwei Jahren, als ich mir vornahm mit der Galerie aufzuhören, verabredeten wir diese letzte Ausstellung“, so Pohl. Er zeigt frühe Werke Freyers aus den Jahren 1959 bis 1970. Anhand dieser Werke kann man auch erkennen, welche künstlerische Entwicklung der Künstler in dieser Zeit nahm. Am 22. November um 18.30 Uhr wird der Künstler bei einem Gesprächsabend in der Galerie Pohl zu Gast sein. Die Ausstellung ist bis zum 21. Dezember zu sehen.

Mit ihr verabschiedet sich nun der Ur-Pankower Joachim Pohl als Galerist. Seit Juni 1993 betrieb er seine eigene Galerie in der Wollankstraße 112a und wurde so etwas wie eine Institution in Pankow. „Die Galerietür geht nun zwar zu, aber die Kunstarbeit geht für mich weiter“, sagt er. „Ich werde als Kunstvermittler und auch als Künstler weitermachen.“ Die Wollankstraße 112a soll indes weiter als Ort der Kunst erhalten bleiben. Die Räume sind ab dem 1. März 2019 an zwei Nachfolger vermietet.

Bernd Wähner / Berliner Woche / 19.November 2018